Uta Lösken - Autorin und Gebrauchskünstlerin

 

Lyrik

 

Jütland

 

Weite Wellen Felder

weiß gekalkte Höfe

kuscheln zwischen Büschen

Kühe grasen gemütlich

unaufgeregt

wie das Land

kauen wieder und wieder

ohne Eile

fahren wir

Hafer Raps und Gerste gelb

der Mais steht gut

und die Wiesen sind saftig

 

Land zwischen Meeren

vom Westwind gekämmt

gesandet und gesalzen

mildwürzig möwenfrisch

in dir möchte ich

mich verlieren

 

 

© Uta Lösken, August 2010

 

 

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Durch Raum und Zeit

 

Ein Kind einst spielte ich an Ostsees Stränden,

schon damals habe ich mich infiziert.

Das Wasser leicht berührt mit beiden Händen:

Sekunde, die Verbundenheit gebiert.

 

Und bin ich wieder eine Zeit auf Reisen -

in Schottland oder Richtung Gibraltar -

lockt mich der Ruf, den inn'ren Quell zu speisen,

mit Kraft an manche Küste übers Jahr.

 

Auch wenn es still, kann ich die Wellen hören.

Auch wenn es fern, ist mir das Meer ganz nah.

Nichts kann in mir wohl seine Stimme stören.

Gesang der Ozeane ist stets da.

 

So kann die See, wenn ihre Klänge schwingen,

Gelassenheit und Ruhe zu mir bringen.

 

 

© Uta Lösken, August 2010

 

 

 

be.schwingt

 

zwei rostige Ketten

ein patinagraues Holzbrett

wie liebte ich diese Schaukel

unterm alten Ahorn

 

damals hast du

mich angeschoben

zu Höhenflügen

heraus aus dem Schatten

 

heute muss ich den

Schwung mir holen

aus eigener Kraft

am höchsten Punkt

abspringen und

fliegen

 

© Uta Lösken, Juli 2010

 

 

 

  

 

will

 

den engen

Takt des Tages

vergessen

 

mich im

Duft der Federnelke

verlieren

als Kondensstrahl im

Himmelsblau

verschwimmen

mit tausend Tropfen

Welle werden

 

will

Abstand gewinnen

 

© Uta Lösken, Juni 2010

 

 

 

ich fühle mich

 

so hin und her

und auf und ab

und auch die Hände

flattern

wie Gedanken

wie der Magen

nein

der flattert nicht

ist schwer

beschwert

sich

von und über

Hastigkeiten

Zwischenzeiten

nutzen nützen

nichts zur

Ruhe kommen

kaum und leicht

erneut erregt

 

© Uta Lösken, Juni 2010

 

 

 

 

 

 

hauchzart

 

fängst du

Schatten

wandelst sie zu

Licht zu Feuer

lässt Flammen

im Wind flackern

für kurze Zeit

 

dein Leuchten fällt

und bleibt doch etwas

übersommert gut

geschütztes Erbe

teilst du aus und

kehrst zurück im

nächsten Jahr

 

© Uta Lösken, Juni 2010

 

 

 

hin und wieder

 

beneide ich die

Distel

mit tiefer Wurzel

fest gegründet

streckt ihre

Stachelarme weit

 

verschafft sich Platz

Respekt

hebt ihren Kopf

lässt violette Strahlen

leuchten

über niedrem Gras

 

und hin und wieder

frag ich mich

ob sie nicht einsam

wenn sogar die

Esel sie

verschmähn

 

© Uta Lösken, Mai 2010

 

 

 

 

 

  

 

und läuft

 

bei jedem Schritt

ein Stück weit fliegen

Bodenhaftung aufgeben

Rhythmus finden

 

Winter aus den

Poren schwitzen

mit jedem Atemzug

Frühling inhalieren

 

Vogelzwitschern treibt

weiter immer weiter

nie wieder anhalten

wollen

mit jeder Faser

vorwärts drängen

 

irgendwann

umkehren

damit die Kraft

reicht bis ins Ziel

 

morgen werden

Muskeln schreien

bei jedem Schritt

jaulen und jammern

 

doch heute

jubeln sie

mit den Meisen

um die Wette

 

© Uta Lösken, März 2010

 

 

 

Tag dämmert

 

im Abendohrensessel

der Nacht entgegen

lauscht auf

verklungenes Amsellied

bis Käuzchenschrei

Signal zu dunklem

Treiben gibt

 

dann huscht und raschelt's

zirpt und fiept's

derweil der Tag

im Nachtbett

ahnungslos

vom Morgen träumt

 

© Uta Lösken, März 2010